bekanntmachen von Orten? NEIN!

2. April 2026

~ Warum ich meine Orte, wo ich fotografiere, nicht bekannt gebe.~

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Als ich mit dem Fotografieren angefangen habe, wie ich schon mal erläutert hatte, fehlte mir jegliches Gefühl dafür, wo ich überhaupt die Tier- und Pflanzenwelt entdecken kann. Für mich interessante und geeignete Gebiete habe ich mir durch Recherche und selbstständiges Erkunden erarbeitet.

So habe ich meine persönlichen Lieblingsspots für mich gefunden und erkunde kaum noch Neuland. Denn, je mehr ich das auserkorene Habitat kenne, umso sorgfältiger und achtsamer kann ich agieren.
Erstaunlicherweise wird das auch nie langweilig.

Ja, auch ich habe fotografische Träume, von der einen oder anderen Tier- oder Vogelart oder von speziellen Pflanzen und Landschaften. Entweder erfüllen sich diese Träume eines Tages oder eben nicht.

Ich bin froh, dass ich inzwischen in jedem Tier, bei jeder Pflanze, an jeder Örtlichkeit immer etwas für mich herauspicken kann, was mich in den Bann zieht.

Um aber nicht weiter abzuschweifen, gehe ich jetzt auch mal auf die von mir gesetzte Überschrift ein.

Öffentliche und hochfrequentierte Örtlichkeiten braucht man sicherlich nicht so sehr schützen
wie sensible Gebiete oder welche mit seltenen Artenvorkommen.

Dennoch hat der Mensch auch an solchen Spots bereits den Blick dafür verloren, dass die Tier- und Pflanzenwelt nicht mutwillig gestört oder gar zerstört werden sollte.

Nehmen wir als Beispiel einen Berliner Stadtpark, wo der Vater sein Kind auf den Arm nimmt und es immer wieder in Richtung eines am Ufer schwimmenden Höckerschwans schwenkt.
Vollkommen empört und aggressiv reagiert der Vater, als der Schwan seinen Hals in Richtung des Kindes streckt und faucht. Die folgende von mir angeführte Diskussion hat mir aufgezeigt, wie traurig es um gewisse Menschen steht.
Es gibt tausende Beispiele, die man hier noch anführen könnte. Angler, die nicht auf ihre Schnüre achten und so Wasservögel verletzen, Hundebesitzer, die ihren Liebling frei herumlaufen lassen und so das Leben von Bodenbrütern, Niederwild und auch Eichhörnchen auslöschen. Jugendliche/Erwachsene, die ihren ganzen Hausstand mitnehmen und diesen an Ort und Stelle zurücklassen, und vieles mehr.

Die Tier- und Pflanzenwelt arrangiert sich Tag für Tag mit dem von Menschenhand gemachten Druck. Und vieles bleibt dabei auf der Strecke. Viele verlieren ihr Leben. Argumente wie, „Na, das Tier kann doch woanders hin“ sind für mich unverständlich. Denn Tiere können eben nicht woanders hin, da wir kaum noch über geeigneten Lebensraum verfügen.

Somit vermeide ich selbst eine Nennung meines Standortes an solch öffentlichen und für jedermann zugänglichen Orten.

Selbsterklärend gewinnt dieses Thema für mich an sensiblen Orten noch mehr Gewichtigkeit.
Orte mit seltenen Arten- und Brutvogelvorkommen.
Orte, die seltene Pflanzen, Amphibien oder Insekten beherbergen.
All das sind Orte, die noch mehr geschützt werden sollten.

Selbst bekannte Hotspots, welche ich selbst nur äußerst selten aufsuche, werde ich niemals preisgeben. Ich bin mir dessen bewusst, dass alleine schon Bilder ein Indikator für den aufgesuchten Spot sein können. Und doch erfordert es dann immerhin Eigeninitiative oder bereits vorhandenes Wissen, um den jeweiligen Spot zu ermitteln. Man bekommt es eben nicht auf dem Präsentierteller serviert.

Warum meide ich also, die Bekanntgabe meiner aufgesuchten Beobachtungsspots?

Je mehr Menschen solche Orte besuchen, umso mehr Druck wird auf solchen Gebieten ausgeübt. Masse alleine kann schon ausreichend sein. Wege werden niedergetrampelt, man parkt aufgrund von Bequemlichkeit auf Grünflächen, geht querfeldein, positioniert sich direkt vor Bruthöhlen und vieles mehr.

Falsches und unreflektiertes Vorgehen fügt solch sensiblen Gebieten erst recht Schaden zu.

Es wird sie immer geben, die Menschen, die nur ihr Ego stärken wollen. Die, die diese "eine" Sichtung haben wollen. Die, die das eine Foto von tausend identisch existierenden haben wollen. Und der „Normalo“, der von Hause aus wie ein Elefant im Porzellanladen rumstiefelt.

Jedes Preisgeben einer Örtlichkeit, an der man fotografiert, beobachtet oder was auch immer man dort macht, birgt das Risiko, Lebensraum zu gefährden, und zieht so weitere Menschen an, Sodass sich eben, je mehr Personen Örtlichkeiten preisgeben, diese Gefahr summiert.

Und aus eben diesen Gründen mache ich es nicht!

Ich nenne keine detaillierten Örtlichkeiten, an denen ich mich aufhalte. Wenn überhaupt nur gegenüber ganz auserwählten Menschen. Denen, die mich schon sehr lange begleiten. Denen ich mein Vertrauen schenke, wo ich weiß, wie sie sich im Gelände bewegen und welche Intention sie grundsätzlich haben.

Ja, ich werde weitere Recherchen betreiben. Ich nutze das Nennen derer, die öffentlich gewisse Örtlichkeiten preisgeben, schamlos aus. Aber selbst wenn es sogar eine Art ist, die auf meiner persönlichen Wunschliste ganz oben steht, verzichte ich zu 99 Prozent auf ein Aufsuchen des gemeldeten Ortes.

Tue ich es doch einmal, weiß ich wenigstens für mich, wie ich mich achtsam und respektvoll auf neuem und alten Terrain bewege, und behalte es im Nachgang eben für mich.

Ich möchte Lebensräume schützen und erhalten, werde also immer bemüht sein, durch meine Anwesenheit in einem Gebiet keinen Schaden anzurichten oder gar zu stören und werde Örtlichkeiten nicht detailliert preisgeben.
Und während ich das alles hier schreibe, ist mir ein Gedanke gekommen. Wenn ich zukünftig "typischen Hotspots" einen Besuch abstatte, kann ich doch wenigstens die zuständigen Organisationen,
die für den Schutz und Erhalt solcher Gebiete still, leise und Tag für Tag kämpfen, finanziell unterstützen. So kann ich wenigstens etwas zurückgeben.